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Hyperhidrose - Hilfe, Schweißausbruch!

KOSMETIK International Special 01/2019 - Top Medical

Sie haben geduscht, sich fertig gemacht und wollen los. Aber bereits kurz nach dem Duschen ist das T-Shirt im Achselbereich schon wieder durchgeschwitzt. Sie haben ein Meeting in großer Runde und ihre Hände sich schon wieder ganz feucht, sodass Sie am liebsten keinem der Teilnehmer die Hände schütteln möchten. Das sind Ärgernisse, die Menschen mit Übermäßigem Schwitzen häufig zum Verzweifeln bringen. Schwitzen ist generell ein natürlicher Vorgang und wichtig, um die Temperatur im Körper konstant zu halten. Bei einigen Menschen ist die Schweißabsonderung jedoch unangenehm hoch. Diese Störung wird auch Hyperhidrose genannt. Häufig sind die Achseln (Hyperhidrosis axillaris) betroffen, was besonders im Alltag, beruflich und auch privat als sehr störend empfunden wird. Übermäßiges Schwitzen im Gesicht (Hyperhidrosis facialis) sowie an den Händen (Hyperhidrosis manuum), aber auch an den Füßen (Hyperhidrosis peduum) beeinträchtigt die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein der Betroffenen ebenfalls enorm, weil es sich nicht verbergen lässt. Wer also unabhängig von körperlicher Aktivität und der Umgebungstemperatur mit permanentem, übermäßigem Schwitzen kämpft, zeigt deutliche Anzeichen einer Hyperhidrose. Primäre und sekundäre Hyperhidrose Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Hyperhidrose, die primäre und die sekundäre Hyperhidrose.

Zwei verschiedene Typen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten der Hyperhidrose: die primäre und die sekundäre Hyperhidrose. Die häufigste Form ist die primäre Hyperhidrose. Sie betrifft vor allem Achseln, Füße, Hände oder das Gesicht, also Areale, die vor allem für das emotionale Schwitzen verantwortlich sind. Die sekundäre Hyperhidrose entsteht durch Störungen des zentralen oder peripheren Nervensystems. Bei der sekundären Hyperhidrose ist eine bestehende Grunderkrankung der Auslöser. Diese kann eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Unfallverletzung von Nerven sein. Die Einnahme von Medikamenten wie Kortikoide oder auch psychische Faktoren können für übermäßiges Schwitzen verantwortlich sein.

Die primäre Hyperhidrose entsteht meist ohne erkennbaren Grund bei ansonsten gesunden Menschen. Der Beginn liegt meist in der Pubertät. Insgesamt leiden etwa drei Prozent der Bevölkerung an einer Hyperhidrose, 51 Prozent davon an einer primären Hyperhidrose. Eine genetische Prädisposition scheint vorhanden zu sein, weil 30 bis 65 Prozent der Patienten eine positive Familienanamnese aufweisen. Die primäre Hyperhidrose betrifft vor allem die Achseln (79 Prozent), aber auch Füße, Hände und das Gesicht, häufig sind mehrere Areale betroffen. Man findet keine morphologischen Veränderungen der Schweißdrüsen. Es handelt sich eher um eine komplexe Dysfunktion des sympathischen und parasympathischen Nervensystems.

Um eine primäre Hyperhidrose anzugehen, sollten Betroffene zunächst auf Genussstoffe verzichten, die die Schweißproduktion anregen. Dazu gehören Kaffee, Alkohol, Zigaretten und scharfe Gewürze. Entspannungstechniken oder atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern können ebenfalls helfen, übermäßiges Schwitzen zu reduzieren. Helfen diese Maßnahmen nicht, kann eine medikamentöse Behandlung begleitend erfolgen. Wenn diese Therapie nicht anschlägt, sollten die Betroffenen über einen operativen Eingriff nachdenken.

An den Ursachen ansetzen

Die sekundäre Hyperhidrose ist die Folge von zentralen oder peripheren neuronalen Schädigungen. So können unterschiedliche Erkrankungen, wie z.B. Diabetes oder neurologische Störungen, wie beim Parkinsonsyndrom, schuld an der übermäßigen Schweißproduktion sein. Auch die Einnahme von Medikamenten, wie z.B. Antidepressiva oder die Hormonumstellung in der Schwangerschaft oder in der Menopause können Auslöser sein. Liegt eine Grunderkrankung vor, die das enorme Schwitzen verursacht, muss diese behandelt werden, um die Hyperhidrose zu beseitigen.

Zur Behandlung bei übermäßigem Schwitzen eignen sich neben einer medikamentösen Therapie folgende konservative und operative Methoden: Zu den konservative Therapieoptionen zählen die lokale Applikation von Aluminiumchlorid sowie die die Leitungswasser-Iontophorese. Bei der Behandlung mit Aluminiumchlorid handelt es sich um Aluminiumsalze, die eine Schweißreduktion durch Verschluss der Ausführungsgänge bewirken. Diese Aluminiumsalze werden in Deorollern und Cremes angeboten. Die Leitungswasser-Iontophorese erfordert ein geeignetes Medizingerät zur regelmäßigen Durchführung von Stromwasserbädern, die nach einer Schulungsphase vom Patienten selbst zuhause durchgeführt werden können.

Ärztliche Hilfe

Dem Facharzt für Plastische Chirurgie stehen unterschiedliche minimal-invasive und operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die primäre Hyperhidrose zu reduzieren:

- Die Schweißdrüsenbehandlung durch Injektion mit Botulinumtoxin A (Botox®). Wie funktioniert das?

Botulinumtoxin A, kurz auch Botox®) genannt, wird in der Plastischen Chirurgie zur Hautstraffung von Mimikfalten eingesetzt. Das Nervengift lähmt bestimmte Muskelfasern, die für die Faltenbildung verantwortlich sind. Bei der Hyperhidrose wird ebenfalls die lähmende Wirkung von Botulinumtoxin genutzt: Das Gift wird in die Muskelfasern um die Schweißdrüsen injiziert. Dort hemmt es die Neurotransmitter; eine Schweißabsonderung durch die Drüsen kann nicht mehr ausgelöst werden. Die vollständige Wirkung tritt innerhalb von drei bis 14 Tagen ein. Da Botulinumtoxin vom Körper abgebaut wird, lässt die schweißhemmende Wirkung nach ca. sechs Monaten nach. Daher muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden. Botulinumtoxin kann für fast alle betroffenen Bereiche des Körpers zum Einsatz kommen.

 - Die Absaugung der Schweißdrüsen mittels Kürette.  Dauerhafte hilft bei übermäßigem Schwitzen nur die Absaugung der Schweißdrüsen. Speziell für die Achseln eignet sich eine operative Entfernung der Schweißdrüsen durch eine Saugkürette. Ausgehend von der Weiterentwicklung der Technik der Fettabsaugung kann man heute über 1-2 kleine Schnitte im Achselbereich die Schweißdrüsen mit einer sehr feinen Kanüle (Durchmesser 2,4 mm) absaugen. Der Eingriff dauert ca. eine Stunde und kann je nach Wunsch des Patienten in Lokalanästhesie oder in einer kurzen Narkose ambulant durchgeführt werden. Danach sollte man sich eine Auszeit von drei bis fünf Tagen gönnen und ca. drei Wochen lang auch keinen Sport treiben.

Die Sympathektomie

Zu den weiteren operativen Behandlungsmethoden zählt bei extremer Hyperhidrosis die endoskopische Sympathektomie oder auch endoskopische Sympathikusblockade genannt. In minimal-invasiver Technik, man spricht auch von Schlüsselloch Technik, erfolgt über eine Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie) mithilfe eines Endoskops die Darstellung der Sympathicus-Nerven. Die Leitung dieser Nerven zu den Schweißdrüsen wird mittels einer Durchtrennung oder Blockade der Nervenbahnen, die für das übermäßige Schwitzen verantwortlich sind.

Genauestens abwägen 

Bevor man sich jedoch für einen operativer Eingriff entscheidet, sollten bereits sämtliche konservativen und minimal-invasiven Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein. Zusätzlich sollte ein intensives Gespräch mit dem Betroffenen geführt werden, sowie eine ausführliche Familienanamnese durchgeführt werden. Nur so kann der behandelnde Facharzt angemessene weitere Behandlungsmethode wählen, die dann erfolgreich dazu beiträgt, dass der Leidensdruck des Betroffenen reduzierte wird - und seine Lebensqualität wieder erheblich zunimmt.

Autor: Dr. Karl Schuhmann 

     

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