Skip to main content

Wundmanagement in der Handchirurgie

Die Hände stellen ein vielseitiges Instrument dar: Mit ihnen erschaffen, fühlen und kommunizieren wir - und noch vieles mehr.

Rechtsdepeche 1/2020

Modernes Wundmanagement in der Handchirurgie

Ohne unsere Hände bereiten uns schon die einfachsten Tätigkeiten des Alltags unglaubliche Mühen. Umso sensibler reagieren wir deshalb auf Verletzungen der Hand bzw. Finger.

Die Hände und Finger sind des Menschen wichtigstes Werkzeug. Mit ihnen greifen und arbeiten wir, mit ihnen tasten und fühlen wir und mit den Händen gestikulieren wir. Daher sind diese Körperteile mit die wichtigsten des menschlichen Körpers, um im täglichen Leben einfach und gut zurechtzukommen. Sei es zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport, die Hände und Finger sind unsere allgegenwärtigen Helfer für kleine und große Tätigkeiten. Da Hände und Finger eben jene exponierte Stellung haben, ist die Gefahr von Verletzungen sehr groß.

Schnittwunden – eine der häufigsten Fingerverletzungen

Bei unzähligen Gelegenheiten im Alltag kann man sich eine Schnittwunde zuziehen. Eine Schnittwunde entsteht, wenn die Haut und oft auch darunterliegendes Gewebe mit einem scharfen Gegenstand zertrennt wird. Dazu gehören Messerklingen, aber auch Scheren, Scherben oder Papier. Kurz nicht aufgepasst, und schon hat man sich in den Finger geschnitten. Daher gehören Schnittwunden, vor allem an den Fingern, zu den häufigsten Verletzungen überhaupt.

Eine Schnittwunde hat typischerweise glatte Wundränder. Wie die Schnittwunde genau aussieht und welche Beschwerden damit einhergehen, hängt jedoch davon ab, wie tief die Verletzung ist. Bei oberflächlichen Schnittwunden, bei denen nur die oberen Hautschichten durchtrennt sind, tritt in der Regel der typische Wundschmerz und eine eher geringe Blutung auf. Sofern diese Wunden nicht durch Keime verunreinigt sind, stellen sie keine problematische Verletzung dar. Tiefe Schnittverletzungen können jedoch zu Komplikationen führen. Eine tiefe Schnittwunde, bei der zusätzlich größere Blutgefäße, Sehnen oder Nerven verletzt sind, kann weitere Symptome auslösen.

Quetschwunden an den Fingern

Quetschwunden entstehen durch stumpfe Gewalteinwirkung auf den Körper. Eine große Rolle spielen hierbei vor allem Unfälle im Straßenverkehr, im Haushalt, beim Sport oder am Arbeitsplatz. Bei einer Quetschung platzt die Haut auf, so dass die Wundränder nicht glatt, sondern eher unregelmäßig sind. Auch Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen können in Mitleidenschaft gezogen sein.

Die Hände sind unsere wichtigsten Helfer sind und führen im Alltag viele Dinge aus, daher entstehen besonders häufig Quetschungen an den Fingern, wie z.B. durch Einklemmen in Schubladen oder Türen. Das Ausmaß der Quetschung ist von der Dauer und der Kraft, mit der die Tür oder Schublade geschlossen wurde, abhängig. Neben Quetschungen an den Fingern kommen oft auch Quetschungen an anderen Teilen der Hand vor.

Zu schwerwiegenden Quetschwunden an Fingern, Händen oder Armen, kommt es in der Regel beim Umgang mit großen Werkzeugen und Maschinen. Je stärker der Druck, desto höher die Wahrscheinlichkeit für drastische Verletzungen, die bis hin zu Amputationen führen können. Dies geschieht beispielsweise dann, wenn durch starkes Zusammendrücken Gewebe und Knochen zerstört und durchtrennt werden.

Besonderheiten der Wunden an Hand und Fingern

Viele kleinere und leichte Verletzungen an der Hand und den Fingern, heilen völlig komplikationslos ab. Trotzdem bedürfen die Verletzungen an Fingern und Händen einer besonderen Aufmerksamkeit. Anfangs scheinbar banale Verletzungen können im Verlauf große Komplikationen aufwerfen und weitreichende Folgen haben. Dies ist z.B. bei oberflächlich kleinen Stichverletzungen der Fall, wenn Muskeln, Sehnen und Nerven mit betroffen sind. Viele Gelenke, Sehnen und Nerven liegen an der Hand auf engstem Raum und dicht unter der Haut. Daher ist die Wundversorgung und die Wunddeckung hier besonders schwierig. Kommt es im Verlauf der Behandlung zu Komplikationen, hat das manchmal weitreichende Folgen. Die Komplikationen bestehen im Wesentlichen in Nekrosen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen, bei der auch Knochen und Weichteile betroffen sein können.

Wundbehandlung an den Fingern und deren Schwierigkeiten

Die Beweglichkeit und die Sensibilität ist für die Funktion der Hand von besonderer Bedeutung. Daher sind eine gute Wundversorgung und Heilung auch besonders wichtig, aber aufgrund der anatomischen Gegebenheiten auch besonders schwierig. Die typische Wundbehandlung bei frischen Wunden an Hand oder Fingern besteht in der chirurgischen Wundausschneidung, der Verschließung der Wunde, z.B. durch Nähen der Wunde, sowie anschließender Ruhigstellung der Wunde und ihrer Umgebung. Wobei eine lange Ruhigstellung nicht immer die Therapie der ersten Wahl ist, da dies zu irreversiblen Einsteifungen von Gelenken und zur narbigen Adhäsion von Sehnen führen kann. Daher ist bei vielen Verletzungen an den Fingern eine frühe intensive Bewegungstherapie sinnvoll und wichtig. Hier kann das moderne Wundmanagement einen hervorragenden Beitrag zur optimalen Wundheilung leisten.

 Immer wieder stellen wir in der Praxis fest, dass Verbandsmaterialien an den Fingern nicht korrekt und dauerhaft gut haften. Durch die Bewegung der Finger sowie durch die Schweißdrüsen an der Hand, wird eine gute Haftung der Verbandsmaterialien noch zusätzlich erschwert. Ist eine Wunde jedoch nicht optimal mit einem guten Wundverband versorgt, kann es bei zu viel Bewegung zu Irritationen der Wunde bis hin zum Wiederaufreißen der Wunde führen. Auch geht der Effekt einer feuchten Wundbehandlung verloren. Diese wiederum ist aber bei vielen Wunden die beste Heilungstherapie.

Das moderne Wundmanagement kann hier einen großen Beitrag leisten, um die Funktionsfähigkeit der Hand schnellstmöglich wiederherzustellen. Moderne Verbandsmaterialen, wie z.B. der Hydrokolloid- oder der Silber Wundschnellverband, sowie anatomisch geformte Verbandsmaterialien sind im modernen Wundmanagement nicht mehr wegzudenken. Gerade bei Wunden an den Fingern bietet eine anatomische Fingerform des Verbandes in unterschiedlichen Größen eine hervorragende Wundabdeckung. Sie decken die Wunde optimal ab und sorgen für eine gute Befeuchtung, sowie für die Aufnahme von Wund-Exsudat. Das ist auch für die Patienten eine große Erleichterung, die gerade durch die Verletzungen an Händen und Fingern eine extreme Einschränkung im täglichen Leben erfahren. Ein modernes Wundmanagement bietet außerdem die Möglichkeit, frühzeitig mit der erforderlichen Bewegungstherapie zu starten, ohne die Wunde und die Wundheilung zu beeinträchtigen.